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Fakultät Er­zieh­ungs­wis­sen­schaft, Psy­cho­lo­gie und Bil­dungs­for­schung

Haftbefehl im Unterricht? Forschende sagen: Ja, unbedingt – aber reflektiert! Kritik an hessischem Bildungsministerium

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Die Netflix-Dokumentation „Babo: Die Haftbefehl-Story“ sorgt auch im Bildungsbereich für Diskussionen. Ein interdisziplinäres Autor:innenkollektiv von Wissenschaftler:innen, Pädagog:innen und Fachdidaktiker:innen aus Deutschland und Österreich plädiert in einem Debattenbeitrag auf philosophie-indebate dafür, dass die Dokumentation im Unterricht kritisch aufgegriffen wird – als Zugang zu postmigrantischen Lebensrealitäten vieler Jugendlicher. Schule greift diese Realitäten bisher nicht ausreichend auf, die Dokumentation bietet diesbezüglich diverse pädagogische Möglichkeiten.

Die Forschenden der TU Dortmund, TU Dresden, RU Bochum, FAU Erlangen-Nürnberg, Universität Innsbruck und Universität Wien sehen in der Dokumentation die Chance, mit Jugendlichen über Identität, Zugehörigkeit, menschliche Destruktivität, Diskriminierung und soziale Ungleichheit ins Gespräch zu kommen – kontroverse Themen, die ihren Alltag unmittelbar prägen.

„Kontroverse Themen gehören ins Klassenzimmer – als Lernanlässe, nicht als Provokation“, so das Autor:innenkollektiv Religionsbezogene Kontroversen.

Kritisch setzen sich die Autor:innen mit der Haltung des hessischen Bildungsministeriums auseinander, das Haftbefehl nicht geeignet für den Unterricht hält. Damit, so das Kollektiv, werde eine wichtige Debatte über zeitgemäße Bildung unnötig verengt. Positiv heben sie hingegen die offenen Signale aus Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und Österreich hervor, wo Lehrkräften und Schüler:innen explizit ein pädagogischer Freiraum eingeräumt wird, gesellschaftlich relevante Themen aufzugreifen.

Der Beitrag versteht die Doku nicht als Vorbild, sondern als Anlass, Jugendkultur, Pop und Religion kritisch ins Gespräch zu bringen – im Sinne eines Unterrichts, der postmigrantische Lebensrealitäten ernst nimmt und pädagogisch reflektiert.

Das Autor:innenkollektiv Religionsbezogene Kontroversen sagt: Das Thema ist wichtig, deswegen sind weitere Aktivitäten geplant – beispielsweise eine Blog-Reihe zu verschiedenen Themen wie „Trigger-Warnungen im Unterricht? Chancen und Grenzen schulischer Bildung“.

Das Autor:innenkollektiv Religionsbezogene Kontroversen aus Deutschland und Österreich ist aus einer Initiative der Forschungsgruppe der TU Dortmund und der TU Dresden zu religionsbezogene Kontroversen in der Schule hervorgegangen. Ziel der Gruppe ist es, aktuelle Kontroversen nicht nur als Problem, sondern als Chance für demokratische Bildung, religiöse Mündigkeit und schulische Pluralitätsfähigkeit zu verstehen. Die Doku bietet an dieser Stelle großes Lernpotential, etwa weil Religion zur Identität von vielen Jugendlichen in einer postmigrantischen Gesellschaft gehört (vgl. https://y-nachten.de/2024/10/religionsbezogene-kontroversen-in-der-schulischen-bildung/)

 

Autor:innenkollektiv Religionsbezogene Kontroversen (Mitglieder):

  • Meryem Aydogan (TU Dortmund)
  • Stefan Breuer (TU Dresden)
  • Johanna Hanke (TU Dortmund)
  • Henrike Herdramm (TU Dortmund)
  • Jan-Hendrik Herbst (TU Dresden)
  • Carolin Hohmann (Universität Innsbruck)
  • Tina Hölzel-Chokharash (TU Dresden)
  • Lisa Jacoby (TU Dortmund)
  • David Novakovits (Universität Wien)
  • Sarah Rosenhauer (TU Dresden)
  • Vito Alexander Vasser Santos Batista (RU Bochum)
  • Max Tretter (FAU Erlangen-Nürnberg)
  • Miguel Zulaica y Mugica (TU Dortmund)

Ansprechpartner/Kontakt:

E-Mail: miguel.zulaicatu-dortmundde